Erleuchtung gibt es nicht. Da sich die Erleuchtung ereignet, bin ich nicht mehr. Da hat das persönliche Ich aufgehört zu sein. Genaugenommen ist der einzige Zustand, den wir konkret erfassen können, einer des Nicht-Erleuchtet-Seins. Aus dieser Sichtweise gibt es nur die persönliche und hartnäckige Überzeugung, daß mir noch etwas zur eigenen Vollständigkeit fehlt. Die Überzeugung, daß ich ein Suchender bin. Solange ich mich als Suchenden wähne, solange kann ich diesen Zustand erfassen. Ich glaube an einen Suchenden, der ich bin, der etwas sucht und dabei dort noch nicht angekommen ist.

In dem Augenblick, wo ich aus der Tiefe meines Herzens diese Suche aufgebe, lösen sich alle Zustände auf und ich erreiche einen zustandslosen Zustand. Ich erreiche jenen “Zustand”, der über alle Zustände erhaben ist, sich in allen Zuständen ausdrückt und alle miteinander verbindet. Ich hafte keinem Zustand mehr an. Ich versuche nicht mehr, aus den verschiedenen Dispositionen meines Bewußtseins (der Kombination von Überzeugung und Emotion) Schlußfolgerungen auf die Gesamtheit meines Daseins zu ziehen. Also auch keine Philosophie zu fabrizieren, warum ich hier bin und warum ich tue, was ich tue.

Wer diese Freiheit erreicht, ist ganz da. Freiheit heißt: frei sein von der Sehnsucht nach einem ultimativen Zustand eines vermuteten höchsten Glücks. Befreit sein von dem Drang, die Welt entsprechend meiner Überzeugung formen zu wollen. Diese Freiheit ist schon das höchste Glück, denn sie läßt meine wahre Natur jenseits aller Zustände wieder aufleuchten und erfüllt mich mit mir selbst, mit meiner wahren Natur, die nichts als Glückseligkeit ist. Genau dies wird durch unser schönes Wort “Selbstgenügsamkeit” ausgedrückt. Ich bin mir selbst genug, denn ich erkenne, daß die gesamte Welt in mir ist.

Sich selbst genügen bedeutet deshalb auch nicht, sich von der Welt abkapseln. Ich bin in der Welt und die Welt ist in mir. Ich bin die Welt, die Welt spiegelt mich in jedem Augenblick, den ich wahrnehme. Denn es gibt keinen unbewußten Augenblick in meinem Leben. Selbst wenn ich mich an Phasen in meinem Leben erinnere, in welchen ich vermeintlich keine Erinnerungen hatte (z.B. der Tiefschlaf), so bin ich doch bei diesem Nachdenken über das vermeintliche Fehlen von Erinnerung schon meiner selbst gewahr. Es gibt also keinen Augenblick ohne Gewahrsein. So ist mein ganzes Leben erfüllt von bewußtem und so eben auch gewußtem Gewahrsein. Es gibt keine Welt außerhalb unseres Gewahrseins. Die Welt ist Gewahrsein. Wenn ich also selbstgenügsam bin, heißt dies, daß ich keine Welt mehr außerhalb der Welt suche. Also auch keine Erfüllung mehr außerhalb dieser einen Welt, die in mir aufsteigt und mit mir verschwindet. Ich finde die Erfüllung in dieser, meiner Welt.

So gesehen ist jede Bemühung, das All, also den Makrokosmos, oder die Welt der Atome, den Mikrokosmus zu erforschen, nichts weiter als eine Reise zu unserem Selbst. Es mag uns Freude bereiten, doch was wollen wir Neues finden? Die moderne Wissenschaft mag viele Dinge gefunden und erfunden haben, die unser heutiges Leben bereichern, doch was sagt dies über die wahre Natur der Wirklichkeit aus? Nichts weiter, als daß, wenn in genügend Menschen sich ausreichend Energie aufgebaut hat, eine Überzeugung über Bord zu werfen und eine neue zu etablieren, etwas Neues in unserer Welt erscheint. Dies empfinden wir anfangs noch oft als magisch, doch schon bald gewöhnen wir uns daran als etwas Alltägliches. So zum Beispiel die Motorkraft, die Elektrizität, das Internet und vieles andere. Auch die berühmte Katze Erwin Schrödingers drückt dieses Paradoxon aus: Ich kann mich selbst nie aus der Gleichung nehmen. In einer Welt ohne mich, ist alles Möglich und nichts konkret. Die Welt wir durch mich wirklich.

Immer wieder rätselt die Menschheit, ob wir alleine sind im All. Irgendwie scheint es fast unglaublich, daß wir den weiten und unendlichen Raum ganz alleine beseelen sollten. Mittlerweile gibt es immer mehr Menschen, die an die Existenz von Außerirdischen glauben und wenn die kritische Masse erreicht wird, dann werden Außerirdische auch in Erscheinung treten, genauso, wie Feen, Engel, Geistwesen oder Götter in der Vergangenheit in Erscheinung traten, von denen unsere Vorfahren zur Genüge berichteten. Die schöpferischen Energien all dieser Wesen liegen in uns und wir wollen sie in die Existenz glauben, weil wir ständig vergessen, daß die Welt eigentlich schon durch und durch magisch ist. Es ist ein Wunder, daß ich jeden Tag in den gleichen Körper, in die gleiche Welt geboren werde.

Foto: Buddha Park in Nong Khai, Thailand – © Attila Budai